07 Feb 2019

Welchen Mehrwert schafft ein Unternehmen und hat die eigene Unternehmensstrategie eine positive oder negative Wirkung auf Gesellschaft, Umwelt und/oder Wirtschaft? Impact Management soll Antworten auf all diese Fragen liefern. Ein Einblick in ein im doppelten Sinne wirkungsmächtiges Tool.

von Marie-Lucie Linde

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Nicht nur Start-ups und Social Entrepreneure, immer mehr Unternehmen stellen sich der Herausforderung „Nachhaltigkeit“. Sie widmen sich sozialen und ökologischen Problemen, für die sie unternehmerische Lösungen suchen und anbieten. Nachhaltiges Wirtschaften findet so Schritt für Schritt seinen Weg aus der Nische heraus und wird zum neuen Imperativ für eine zukunftsfähige Wirtschaft. Denn feststeht: Unternehmen, die nicht zum Gemeinwohl beitragen, werden es künftig schwer haben. Umso wichtiger, dass sie die Wirkung ihres Geschäftsmodells und ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten nachvollziehbar, transparent und vor allem messbar machen.

Und so fragen sich immer mehr Unternehmen: Welche langfristige Wirkung (engl. impact) bzw. welchen Mehrwert bringen wir mit unserem Engagement für das Gemeinwohl? Auf welche der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (kurz: SDGs) wirken wir? Um hierauf Antwort geben zu können, beginnen Unternehmen damit, die Wirkung ihrer Aktivitäten durch messbare Kennzahlen transparent zu machen und in ihre nicht-finanzielle Berichterstattung zu integrieren. Die große Herausforderung dabei: Wie das nicht eindeutig Messbare messbar machen? Eine Aufgabe für das unternehmerische Controlling, das über die reine Datenerfassung für die CSR-Berichterstattung hinausgeht.

Ein Trend mit Auswirkungen

Wenn man von „Wirkungsmessung“ oder englisch „Impact Measurement“ spricht, ist eine Begriffsklärung zu Beginn angebracht. Denn zu unterscheiden ist der Outcome vom Impact. Während der Outcome mit Ende einer Einzelmaßnahme angestrebt wird und zeitnah feststellbar ist, tritt der Impact derselben Maßnahme meistens erst mittel- bis langfristig ein und wird erst dann messbar. Dabei ist das Bedürfnis nach Wirkung und Transparenz – so Trendforscher – ein globaler Trend, der mittlerweile seinen Weg ins Operative der Wirtschaft findet. Zum Beispiel wollen immer mehr Geldgeber wissen, was ihre sozialen Investitionen bewirken. Studien zeigen, dass 95 Prozent der Impact Investoren weltweit sich bereits heute von Social-Impact Measurement-Analysen in ihren Entscheidungen leiten lassen. Daher lohnen sich entsprechende Messungen auch für Unternehmen und nicht nur sozial-orientierte NGOs. Und so gilt es das Thema nun, nach einem ersten Hype-Cycle im sozialen Sektor, auch im Privatwirtschaftlichen in die Praxis umzusetzen. Dabei spielt der Trend des “Big Data for Good” der unternehmerischen Wirkungsmessung in die Karten: Die enorme Datenmenge, die durch zunehmend digitalisierte Prozesse in Betrieben entsteht, schafft die Basis für eine belastbare Messung.

Und trotzdem zeigt sich: Den meisten Unternehmen fehlt noch das “Handwerkszeug” für eine valide und effiziente Wirkungsmessung. Die Herausforderungen für Unternehmen liegen initial vor allem in den folgenden Fragestellungen:

  • Was ist eigentlich Wirkung/Impact?
    Nicht immer ist man sich bei dem Begriff “Wirkung/Impact” im privatwirtschaftlichen Sektor einig, sodass unterschiedliche Definitionen innerhalb von Unternehmen und der Wirtschaft umhergeistern. So wird eine gemeinsame und vergleichbare Grundlage für eine Wirkungsmessung schwierig.
  • Wie das Nicht-Messbare messen?
    Wirkungsmessung bedeutet das Messen von komplexen Sachverhalten, die zum Teil gar nicht oder nur bedingt messbar sind.
  • Wer, wann und wie soll gemessen werden?
    Es braucht einen definierten Prozess, angemessene Kontrollfunktionen und klare Verantwortlichkeiten innerhalb des Unternehmens, die bis dato betrieblich so noch nicht notwendig waren.
  • Was muss der der Prozess leisten?
    Der Prozess an sich ist eine zentrale Herausforderung, denn nicht nur das initiale Implementieren ist eine Mammutaufgabe, auch die konsistente Anwendung des Prozesses bedarf Zeit und hohe Professionalität im Unternehmen.
  • Wie steht es um die Datenqualität?
    Selbst für die Unternehmen, die bereits einen Prozess etabliert haben, ist die notwendige Datenqualität mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Denn schnell können falsche oder missverständliche Informationen zu Reputationsschäden führen.
  • Was ist, wenn es zu komplex wird?
    Gerade für Unternehmen mit mehreren Standorten oder mit Geschäftsaktivitäten im Ausland ist es schwer, ihr gesellschaftliches Engagement konsistent zu gestalten und messbar zu machen.

Den Herausforderungen stehen zugleich eine Vielzahl von Chancen gegenüber, warum ein professionelles Impact Measurement lohnt:

  • Unternehmen können neue Investoren mithilfe von Impact Measurement-Analysen für sich gewinnen oder bestehenden Investoren einfacher Zwischenbericht leisten
  • Der Wirkungsmessungsprozess kann dazu beitragen, bestehende und geplante Maßnahmen zu verbessern
  • Die Wirkungsmessung liefert neue und belastbare Daten, über die Unternehmen sprechen und in Berichten kommunizieren können
  • Die Wirkungsmessung kann Basis für neue Kollaborationen bieten, da transparent wird, wo welches Unternehmen einen Impact erzeugen will und sich dafür mit anderen Unternehmen/Organisationen zusammen tun kann.

NGOs – die erfahrenen Wirkungsmesser

Vorreiter des Impact Managements sind NGOs, deren Daseinsberechtigung das soziale und/oder ökologische Wirken ist. Oft durch Spendengelder finanziert, müssen NGOs ihre Aktivitäten und Programme durch Wirkung rechtfertigen. Doch auch nach Innen gerichtet ist eine Wirkungsmessung für NGOs unerlässlich, damit sie überhaupt effektive Programme planen können. So hat DoSomething.org, die Jugendliche ermächtigt sich sozial zu engagieren, durch einen Big-Data untermauerten Prozess festgestellt, dass sie ihre Zielgruppe für die Programme eher über SMS als per E-Mail erreichen.

Ein effizientes Impact Management kann Unternehmen und Organisationen zudem dabei unterstützen, die Lebensumstände ihrer Zielgruppe besser zu verstehen und Wechselwirkungen sozialer Probleme schneller zu erkennen. So nutzt das Justice Mapping Center in New York Adressdaten aller Gefängnisinsassen, um in den betroffenen Wohngebieten gezielt Maßnahmen wie Drogenberatung oder Nachbarschaftshilfe anzubieten. Durch solch datenbasierte Messprozesse können Unternehmen und Organisationen die Lebensqualität in verschiedenen Regionen in Echtzeit abbilden und Lösungen entwickeln. Eine solche vernetzte und datenbasierte Sicht kann in Zukunft dafür sorgen, dass Programme und Maßnahmen effektiver sind.  

Der Prozess ist die halbe Miete

Das A und O für eine effiziente und belastbare Wirkungsmessung ist ein konsistenter Prozess, der alle Aktivitäten inkl. entsprechender Verantwortlichkeiten sowie Termine und Kontrollen, die die Datenerhebung und -übermittlung betreffen, erfasst. Dieser Prozess sollte idealerweise durch MitarbeiterInnen des betrieblichen Controllings betreut und unterstützt werden.

Bei der Implementierung eines solchen Prozesses empfehlen Experten die folgenden sieben Schritte:

  1. Strategische Vorüberlegungen: Entwickeln Sie eine Vision, entscheiden Sie sich für eine Methode (z.B. Social Return on Investment, Social Reporting Standard, IooI-Methode, LBG-Framework) zur Wirkungsmessung und überlegen Sie, wer involviert werden sollte.
    Wichtig: Definieren Sie verbindliche Berichtswege und klare Verantwortlichkeiten für die Prozessschritte
  2. Fokussierung: Entscheiden Sie sich, welche die für das Impact Measurement relevanten Maßnahmen aus Ihrem Programm sind.
    Hinweis: Beachten Sie hier vor allem das Nutzen-Aufwand-Verhältnis, damit Sie die wirklich wirkungsrelevanten Maßnahmen in die Messung aufnehmen
  3. Ziele/Kennzahlen: Identifizieren Sie die Ziele und Kennzahlen, mit denen Sie die Ergebnisse Ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten erfassen können
  4. Datenerhebung: Planen Sie Ihre Datenerhebung, indem Sie sich für eine Methode entscheiden, die die für Sie notwendige Datenqualität gewährleisten kann
  5. Tools & Datenmanagement: Entwickeln Sie Tools für die Datenerhebung oder erwerben Sie ein bestehendes softwarebasiertes Impact Measurement Tool, das Sie dabei unterstützt die notwendige Datenqualität zu erzielen.
    Tipp: Lassen Sie nach dem Vier-Augen-Prinzip die erhobenen Daten von einem nicht in den Erhebungsprozess involvierten Mitarbeitenden auf Richtigkeit und Vollständigkeit prüfen
  6. Datenanalyse: Nutzen Sie die Informationen, die in den Daten stecken, und passen Sie Ihre Maßnahmen mit Hinblick auf einen höheren Impact an. Berichten Sie so zudem regelmäßig über Fortschritte gegenüber Ihren Stakeholdern
  7. Kommunikation & Lessons Learned: Nutzen Sie die Erkenntnisse über Ihren Impact zur internen und externen Kommunikation und formulieren Sie “lessons Learned”, die Ihnen helfen, Ihre Strategie und Ziele zu verbessern. Dies ist der Zeitpunkt, wo Sie mit der Planung der nächsten Wirkungsmessung starten und die Schritte erneut durchlaufen und evaluieren

Ein Tool als Freund und Helfer

Wie schon bei der CSR-Berichterstattung, die von Jahr zu Jahr immer datenbasierter wird, kann auch beim Impact Management eine softwarebasierte Lösung den Prozess vereinfachen und effizienter gestalten. Denn sie unterstützen dabei, Daten an einem zentralen Ort zu erfassen, schaffen Transparenz, machen die unterschiedlichen Reporting-Prozesse effizienter und erhöhen durch Plausibilitätsprüfungen die Datenqualität. Impact-Experten empfehlen Unternehmen einen softwarebasierten Prozess ab dem Moment, an dem alle Hausaufgaben strategischer Natur (Schritte 1-3) gemacht wurden, um den Wirkungsmessungsprozess und seine Daten belastbarer und nachvollziehbarer zu machen.

Und so ist ein intelligentes Tool Freund und Helfer eines jeden Unternehmens, das sich der Mammutaufgabe der Wirkungsmessung stellt. Denn immer dann, wenn es auf eine datenbasierte Messbarkeit ankommt, können Softwarelösungen automatisieren und vereinfachen. Kurzum: Sie können Licht ins Dunkle bringen, wo Unternehmen derzeit noch in Sachen Wirkungsmessung im Trüben fischen und jede Hilfe gut gebrauchen können.

Hinweis:
Erfahren Sie mehr zum Impact Management Tool von WeSustain und erleben Sie in einer Demo-Version die Feature für eine effiziente und professionelle Wirkungsmessung in Ihrem Unternehmen.

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