29 Jul 2020

Unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Politik steht vor noch nie dagewesenen Herausforderungen. Der Grund: Ein Virus namens Corona. Gleichzeitig beschleunigt es einen Wandel hin zu mehr Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Wie das Coronavirus Unternehmen in diesem Kontext herausfordert und wo WeSustain unterstützen kann.

von Marie-Lucie Linde

Covid-19, Sars-CoV-2 oder Corona. Drei Begriffe, die Bezug nehmen auf ein und dasselbe Virus, das seit diesem Frühjahr die Weltgemeinschaft in eine Ausnahmesituation sondergleichen gestürzt hat. Eben ein Virus mit großer Wirkung. Vom tragischen Verlust von Menschenleben über Social Distancing und das Tragen von Mundschutz in der Öffentlichkeit bis hin zum Stillstand ganzer Wirtschaftszweige (Autoindustrie, Tourismus etc.), das Virus hat unsere Gesellschaft und Wirtschaft auf den Kopf gestellt und unwiderruflich verändert. In Anbetracht des hohen Verlustes von Menschenleben durch Corona, ist es fast anmaßend, der Krise etwas Positives abgewinnen zu wollen. Doch es ist menschlich, in der Krisenhaftigkeit etwas Positives zu suchen, um das Leid und die Veränderungen akzeptieren zu können. Und so fragen sich viele Unternehmerinnen und Unternehmer: Welche Veränderungen oder Entwicklungen möchte ich für mein Unternehmen aus dieser Krise in Zukunft positiv fortschreiben? Welche neuen Anforderungen hat Corona in mein Unternehmen getragen? Zudem soll dieses Themenspecial „Corona, ein Virus mit großer Wirkung für die Digitalisierung und Nachhaltigkeit“ aufzeigen, welche dieser neuen Anforderungen Unternehmen mit den Lösungen von WeSustain begegnen können?

Von der Existenznot, über stillstehende Maschinen bis hin zu Geister-Büros 

Jedes Unternehmen ist in der ein oder anderen Form durch Corona betroffen und herausgefordert. Die Meldungen über Großkonzerne (z.B. Lufthansa) und ganze Branchen (Gastronomie und Tourismus), die um ihre Existenz bangen, häufen sich. Pleiten und Insolvenzen werden zum Massenphänomen. Nur durch die, von der Politik kurzfristig geschnürten, Soforthilfepakete wird der wirtschaftliche Kollaps vermieden, auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. Doch noch heute stehen in einigen Unternehmen der Betrieb als auch die Maschinen still, trotz Lockerungsmaßnahmen. 

Die Unternehmen, die während der Krise ihren Betrieb aufrecht halten konnten, blicken ihrerseits in Geister-Büros. Nur vereinzelt kehren die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus dem Homeoffice – dort wo es möglich ist – wieder in die Büros zurück. Leere Schreibtische, stille Flure und kleine Meetings mit Abstandsregelungen oder aber Videokonferenzen prägen das Bürobild und den Unternehmensalltag. Doch das Coronavirus hat nicht nur den betrieblichen Alltag verändert, es hat auch ganz neue operative Anforderungen mit sich gebracht: von einer anderen Form der Zusammenarbeit, der zunehmenden Digitalisierung über neue Anforderungen an das Supply-Chain-, Compliance- und Risikomanagement – sprich einer erweiterten Betreiberverantwortung – bis hin zu neuen Forderungen an die Finanzkommunikation von Unternehmen. Während auch WeSustain, als Softwareanbieter für die verantwortungsvolle Unternehmensführung, durch Corona herausgefordert ist, hat sich in diesen besonderen Zeiten der Austausch mit Kunden intensiviert. Denn sie alle sind auf der Suche nach Lösungen, um den neuen operativen Herausforderungen Herr zu werden. 

Digital und analog: Geht doch! 

In der Theorie sollte sich jedes Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung an die analoge und digitale Zusammenarbeit gewöhnt haben. In der Praxis war bis vor Kurzem das Gegenteil noch gelebte Realität: Die Möglichkeit aus dem Homeoffice heraus zu arbeiten oder aber mit Kunden oder Partnern via Teleconferencing zu tagen, war selbst im Jahr 2020 in vielen Unternehmen entweder vermieden oder aber rar gesät. Zu klein war der Glaube daran, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Homeoffice tatsächlich produktiv seien. Und auch Dienstreisen zu Kunden oder Partnern waren ein Muss, wenn nicht sogar ein Statussymbol für den persönlichen oder aber unternehmerischen Erfolg.

Corona hat nun den Beweis angetreten, dass eine digitale Zusammenarbeit aus dem Homeoffice heraus in Unternehmen funktioniert. Gesamte Belegschaften wurden aufgrund der Ansteckungsgefahren nach Hause geschickt und mit der entsprechenden Hard- und Software ausgestattet. Mal die Liquiditätseinbußen durch eine eingebrochene Auftragslage oder die heimische Herausforderung der Kinderbetreuung außer Acht gelassen, waren vor allem nicht produzierende Unternehmen so weiter arbeitsfähig. So ist auch WeSustain als Softwareentwickler ohne eine physische Produktion durch die neue Situation herausgefordert, doch weiter arbeitsfähig. Ausschlaggebend dafür: WeSustain setzt seit Beginn an überwiegend auf digitalisierte Arbeitsprozesse und dezentrale Strukturen der Zusammenarbeit und kann daher so – auch in Zeiten von Corona – den Geschäftsbetrieb und die Softwareentwicklung aus dem Homeoffice heraus aufrecht halten. 

Der Gesetzgeber hat seinen nötigen Beitrag geleistet, diese Veränderung in der Zusammenarbeit zu beschleunigen: So dürfen z.B. Vorstands-, Aufsichtsrats- oder aber Aktionärsversammlungen jetzt und in Zukunft online stattfinden. Eine Veränderung und neue Haltung zur effektiven Zusammenarbeit in Unternehmen, die die Arbeitswelt von heute und morgen prägen wird: Statt Misstrauen und Kontrolle, setzt sich Vertrauen und Eigenverantwortlichkeit als Unternehmenskultur durch. Definitiv ein positiver Effekt der Krise.

Der schlafende Riese ist endlich erwacht

Die Corona-Krise hat einen weiteren Effekt: Sie hat der Digitalisierung in Unternehmen einen immensen Schub gegeben und das bisher unmöglich Geglaubte, in kürzester Zeit möglich gemacht. Denn auf einmal haben Unternehmen und Verwaltungen ihre Arbeitsprozesse umfänglich digitalisiert, weil sie sonst nicht mehr handlungsfähig gewesen wären. Hier einige Beispiele aus Branchen, die vorher viel diskutierte und zum Teil kritisierte digitale Lösungen nun einsetzen: 

  • das Gesundheitswesen, das sich der Telemedizin und digitalen Sprechstunden bedienen
  • die Hochschulen, die ganze Curricula in Online-Vorlesungen umgestalten
  • die Immobilienbranche, die Online-Besichtigungen und digitale Tools für das Matchen von Immobilie und Mieter/Käufer einsetzen1
  • die Politik mit dem vielleicht prominentesten Beispiel in Form der Corona-App

Die Krise hat vermeintliche Blockaden für mehr Digitalisierung in Unternehmen gelöst und so den Weg für einen Wandel bereitet. Gleichzeitig hat sie gezeigt und transparent gemacht, wo es die deutsche Wirtschaft in Sachen Digitalisierung versäumt hat, aktiv zu werden. Vor allem im Bereich IT-Sicherheit hat Deutschland akuten Nachholbedarf, was der Vorfall in Nordrhein-Westfalen im Zusammenhang mit den Vergabe der Soforthilfe-Gelder aufgezeigt hat. “Aktuell zeigt sich, dass, wer bei der Digitalisierung schon sehr weit war, durch Corona am wenigsten eingeschränkt wurde und schnell in eine neue Arbeitsweise gefunden hat. Egal ob Homeoffice, digitale Schule oder digitale Verwaltung: Überall, wo die digitale Transformation schon weit war, konnte man nahtlos in einen neuen Modus kommen. Gerade die Digitalunternehmen, beispielsweise der Online-Handel, haben momentan die wenigsten Probleme”2, betont Christopher Meinecke, ausgewiesener Experte für Digitalisierung und Leiter des Bereichs „Digitale Transformation“ beim Bundesverband Informationswissenschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) in Berlin. Der Meinung ist auch Manfred Heil, Geschäftsführer bei WeSustain: “Nicht erst seit Corona wissen wir bei WeSustain, dass eine Professionalisierung von betrieblichen Prozessen vor allem digital und kollaborativ ist. Das gilt im Bereich des Nachhaltigkeits-, ESG-, Compliance– und Audit-Managements genauso wie für alle anderen Unternehmensbereiche. Deswegen entwickeln wir Softwarelösungen, die digitale Strukturen  in Unternehmen etablieren und Mitarbeitern eine kollaborative Plattform bieten, um an gemeinsamen Projekten zu arbeiten.” 

So wie auch Meinecke, sehen einige weitere führende Experten die Gefahr, dass diese Entwicklung hin zu mehr Digitalisierung nur ein Einmaleffekt bleiben könnte und auch die Investitionsbereitschaft in die konsequente Digitalisierung durch die Kosten der Krise geschmälert werden könnte. Sie rufen daher auf, den neuen Schwung in Sachen Digitalisierung konsequent mit in die Zukunft zu tragen.3

Glokalisierung als neue Maxime  

Neben den Digital-Experten, schauen führende Zukunftsforscher vor allem auf globale Wertschöpfungsketten und das Supply-Chain-Management von Unternehmen. Das Brennglas “Corona” macht auch hier eine Schwachstelle sichtbar: Denn globale Lieferketten sind fragil und bergen das Risiko, dass sie bei Lieferengpässen oder kompletten Lieferausfällen zusammenbrechen. Der Ruf nach “Glokalisierung” – sprich einer Globalisierung mit stärkeren lokalen und regionalen Komponenten – wird daher immer lauter. Ziel soll es sein, dass z.B. die europäischen Länder ihre Produkte vor allem innerhalb der EU fertigen und lagern, um so zum einen Transportwege zu verkürzen und Emissionen einzusparen als auch zum anderen die Abhängigkeit von rein global organisierten und outgesourcten Lieferketten zu verringern. Auch hier spielen die Digitalisierung und neue Technologien sowie Softwarelösungen eine besondere Rolle: “Gerade das Supply-Chain-Management ist komplex und birgt besondere Herausforderungen an konsistente Daten und ihre Transparenz. Mithilfe unserer WeSustain-Software, unterstützen wir Unternehmen Nachhaltigkeitsrisiken, die jetzt durch die Krise verstärkt in den Fokus gerückt sind, entlang der Lieferkette systematisch zu erkennen und zu steuern”, erzählt Manfred Heil. 

Corona bestärkt somit die Forderung nach einer digitalen Transformation, um dezentrale und lokale Prozesse sinnstiftend und wertschöpfend mit globalen Prozessen zu vernetzen. Ein Beispiel das dies gelingen kann, ist die additive Fertigung, die das digitale Entwickeln aber lokale Produzieren von Produkten schon heute möglich macht. Doch nicht nur die Digitalisierung, auch das Vorantreiben der Kreislaufwirtschaft spielt im Zusammenhang der “Glokalisierung” eine zentrale Rolle. Denn nur, wenn Ressourcen in einem Kreislaufsystem wieder der Wertschöpfungskette zugeführt werden, können Unternehmen sich von globalen Lieferketten künftig emanzipieren.4  

Neuland: Nichtfinanzielle Risiken und erweiterte Betreiberverantwortung

In Zeiten der Corona-Pandemie sind einmal mehr die Risiko- und Compliance-Manager in den Unternehmen gefragt. Denn sie sind es, die derzeit mit zahlreichen Zusatzaufgaben (z.B. Business Continuity Management oder aber Ad-hoc Meldungen veröffentlichen), einen zentralen Beitrag leisten, um den Schaden für Unternehmen zu begrenzen. Dabei hat Corona vor allem neue Risiken aufgetan, die ein Zurückgreifen auf bewährte Steuerungsinstrumente nur bedingt möglich macht. Denn sie haben ihre Ursache überwiegend im Bereich “Non financial Risk”. Beispiele für diese Form von Risiken sind Reputationsrisiken, IT-Systemausfälle (Cybercrime) und IT-Sicherheitsrisiken oder aber Nachhaltigkeits- bzw. ESG-Risiken. Das Risiko- und Compliance-Management in Zeiten von Corona ist daher für viele Neuland.5 

Neben der Sicherung der wirtschaftlichen Existenz, sind vor allem die Compliance-Abteilungen der Unternehmen derzeit damit beschäftigt, die vollständige Rechtssicherheit mit neuartigen länderspezifischen und behördlichen Maßnahmen – vor allem in Bezug auf das Infektionsschutzgesetz – zu gewährleisten. Denn in diesen Maßnahmen liegen einige Sanktionsrisiken verborgen: So zum Beispiel das Risiko zur Zahlung horrender Bußgelder bei Verstoß gegen die Anordnung zur Schließung der Betriebsstätte, um nur ein Beispiel zu nennen. Die besondere Herausforderung liegt vor allem darin, sich über die rasant verändernden, zum Teil im Eilverfahren erlassenen, behördlichen Anordnungen stets informiert zu halten und diese adäquat umzusetzen, um eben die Rechtssicherheit für das Unternehmen zu garantieren.6 Eine Stütze kann hier eine zuverlässige Softwarelösung, wie die “Enterprise Compliance Management” (ECM) Lösung von WeSustain sein, in der u.a. relevante Rechtskataster stets aktualisiert und Anwender über die Aktualisierung umgehend informiert werden, sodass Compliance-Manager schnell und rechtssicher reagieren können.  

In Expertenkreisen ist man sich einig, dass der professionelle Umgang mit der Corona-Pandemie, in die Betreiberverantwortung von Unternehmen fällt. Denn sie umfasst unlängst nicht mehr nur das verantwortungsvolle Betreiben von technischen Anlagen und dem gesetzeskonformen Gebäudebetrieb, sondern eben auch die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers für seine Mitarbeiter in Form von Gesundheits- und Arbeitsschutzmaßnahmen (Stichwort: HSE bzw. EHS). Diskutiert wird jedoch noch, was die Auslagerung der Verantwortung weg von der Privatperson (MitarbeiterIn) auf eine privatwirtschaftliche Ebene (Unternehmen) außerhalb solcher Ausnahmeereignisse wie die Corona-Pandemie für die Betreiberverantwortung und Legal Compliance bedeutet.7

Nachhaltigkeit bahnt sich ihren Weg in die Investor Relations

Und auch die Finanzkommunikation der Unternehmen erfährt durch die Corona-Krise einen Schub, und zwar in Richtung Nachhaltigkeit. Auch wenn das Thema “Green Finance” oder aber “Sustainable Finance” für viele Investor-Relations-Abteilungen noch Neuland ist, steht es jetzt aufgrund kommender Regulierung, aber auch durch die Corona-Krise, ganz oben auf der Agenda. Die Forderung am Kapitalmarkt wird immer lauter, die Nachhaltigkeitsabteilung, die sich vor allem um das Management und die Kommunikation von nichtfinanziellen Aspekten (ESG) des Unternehmens kümmert, näher an die Investor-Relations-Abteilung heranzuführen. Und auch für diese Abteilungen werden künftig digitale Datenmanagement- und Reporting-Prozesse, wie die ESG-Lösung oder aber die “Enterprise Sustainability Management” (ESM) Lösung von WeSustain, unabdingbar: “Wir arbeiten eng mit Stakeholdern aus dem Finanzmarkt zusammen, die uns konkret schildern, welche neuen Anforderungen an die Finanzkommunikation durch digitalisierte Prozesse vereinfacht werden können”, berichtet Dr. Manfred Heil von WeSustain.

Nicht zuletzt die finanziellen Konjunkturpakete auf nationaler als auch auf europäischer Ebene, haben den Stellenwert der nachhaltigen Transformation festgeschrieben. Der Wiederaufbau Europas nach Corona – u.a. durch den “Green Deal” – ist für viele eine historische Chance, den Klimaschutz voranzutreiben und die Investitionen in “dreckige” Investments konsequent zu reduzieren. Das zentrale Anliegen soll es sein, dieses Mal das Geld nicht wieder, wie nach der Finanzkrise 2008, zu einem großen Teil in klimaschädliche Sektoren zu lenken, sondern vor allem in die Dekarbonisierung der Wirtschaft. Somit haben Unternehmen, die auf nachhaltige Geschäftsstrategien und eine ganzheitliche und transparente nichtfinanzielle Berichterstattung über ihre Investor Relations setzen, in Zukunft einen klaren Wettbewerbsvorteil am Markt.

Und was bleibt am Ende? 

Die Corona-Krise hat vieles verändert: Menschen, ganze Gesellschaften aber auch Politik und Wirtschaft. Das Miteinander im Privaten aber auch im Beruflichen hat sich gewandelt. Die Ausnahmesituation ausgelöst durch ein Virus, hat Veränderungsprozesse hin zu mehr Digitalisierung und Nachhaltigkeit augenscheinlich beschleunigt und das bisher Unmögliche möglich gemacht. Doch ob Unternehmen diese Veränderungen bzw. Entwicklung nun auch in die Zukunft fortschreiben, bleibt abzuwarten und hängt von den Lösungen ab, die ihnen dazu bereitstehen. “Wir sind davon überzeugt, dass wenn Unternehmen nun Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsinitiativen, z.B. durch unsere IT-Plattformen, zusammenführen, sich die Wechselwirkung zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit effizient und sinnstiftend gestalten lässt”, sagt WeSustain-Geschäftsführer, Manfred Heil. Die Hoffnung herrscht somit vor, dass Unternehmen auch nach der akuten Pandemie, das “neue Normal” proaktiv im Sinne einer nachhaltigen und digitalen Transformation weiter gestalten. Die Weltgemeinschaft hat jetzt die einmalige Chance, einen neuen Weg einzuschlagen.

Fußnoten zum Themenspecial: „Corona, ein Virus mit großer Wirkung für die Digitalisierung und Nachhaltigkeit“:

1 Vgl. WELT AM SONNTAG: “Plötzlich schafft Deutschland, was bisher unmöglich schien” LINK, abgerufen am 05.07.2020.

2 Vgl. idowa: “Digital-Experte im Interview. Befeuert das Coronavirus die Digitalisierung?” LINK, abgerufen am 05.07.2020.

3 Vgl. WELT AM SONNTAG: “Plötzlich schafft Deutschland, was bisher unmöglich schien” LINK, abgerufen am 05.07.2020.

4 Vgl. LOGISTIK Express: “‘Glokalisierung’ als Antwort auf Corona” LINK, abgerufen am 05.07.2020.

5 Vgl. Haufe: “Risikomanagement und Coronavirus – worauf es jetzt ankommt” LINK, abgerufen am 07.07.2020.

6 Vgl. Haufe: “Neue Compliance-Risiken für Unternehmen in Zeiten der Corona-Pandemie.” LINK, abgerufen am 09.07.2020.

7 Vgl. Weka Akademie: “Hat Corona etwas mit Betreiberverantwortung zu tun?” LINK, abgerufen am 09.07.2020.

25 Mrz 2020

Private Markets: Dekade mit neuem Imperativ und ESG als Gebot der Stunde

Private Markets treten aus einer prosperierenden Dekade in eine Dekade des Wandels. Bisher erfolgreiche Strategien müssen auf Nachhaltigkeitsrisiken und somit auf ihre licence-to-operate hin überprüft werden. Welche Trends (z.B. ESG) in der neuen Dekade private Märkte prägen, lesen Sie in unserem Trendbericht.

von Marie-Lucie Linde

Private Markets blicken auf eine Dekade der Prosperität und des stetigen Wachstums zurück. In den vergangenen Jahren haben sich jedoch Entwicklungen aufgetan, die eine neue Dekade des Wandels ankündigen und führende Akteure an den privaten Märkten zu der Frage bringen: Wie kann eine neue Wachstumsformel in Zeiten des Klimawandels und globaler Nachhaltigkeitsziele (kurz: SDGs) aussehen?

Eine neue Ära für Private Markets

Schaut man sich die privaten Märkte – sprich Kapitalanlagen wie Private Equity, Private Debt, Infrastruktur- und Immobilienprojekte – an, ist zu beobachten, dass sich vor allem fünf Trends immer stärker durchsetzen: 

Trend 1: Der Klimawandel und Klimaszenarien als Teil des Risikomanagements
Der Klimawandel ist erwiesenermaßen keine Modeerscheinung, sondern eine ernstzunehmende Realität, die Gesellschaft und Wirtschaft betrifft. Für die Weltwirtschaft haben sich die Auswirkungen des Klimawandels – nicht erst seit fridays-for-future – zu einer der größten Gefahren entwickelt. Daher hat die Expertenkommission “Task Force on Climate-related Financial Disclosures” (TCFD) des Finanzstabiltitäsrats der G20 bereits in 2017 Empfehlungen für eine standardisierte Klimaberichterstattung veröffentlicht. Investoren und Unternehmen soll dies ermöglichen, die finanziellen Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Geschäftsmodell zu quantifizieren und ihre Resilienz zu stärken. Der Sustainable Finance-Beirat hat erst kürzlich sogar einen Vorschlag für ein Klimalabel veröffentlicht, das eine “verpflichtende Produktklassifizierung” in Bezug auf die Klimawirkung für alle Finanzprodukte vorsieht1. Auch die derzeitige ESG-Berichterstattung, in der die beiden Themen “Klimawandel” und “Emissionen” die wichtigsten Aspekten sind, untermauern die Bedeutung von Klimarisiken. Und so rücken Klimaszenarien ganz oben auf die Agenden des Risikomanagements von Privatmarktteilnehmern.

Trend 2: Sustainable Finance und ESG als Gebot der Stunde
Der Finanzmarkt übernimmt eine zentrale Rolle, um die Realwirtschaft in eine nachhaltige und dekarbonisierte Transformation zu führen. Dies haben u.a. europäische Entscheider erkannt und mit dem EU-Aktionsplan “Finanzierung Nachhaltigen Wachstums” bzw. “Sustainable Finance” einen Rahmen bzw. Weg für Responsible Investing entwickelt. Mit dem Aktionsplan sollen finanzwirtschaftliche Ansätze und Instrumente wie die Transparenz- und Taxonomie-Verordnung eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft befördern. Und schon heute müssen Finanzakteure (z.B. Versicherungen und Banken) nach TCFD berichten. Doch auch international hat sich “Sustainable Finance” als Trend etabliert und bezeichnet im Allgemeinen den Einbezug von ökologischen, sozialen und Unternehmensführungsaspekten in die Entscheidungen von Finanzakteuren. Und so hat das öffentliche Interesse und der Druck der LPs – insbesondere der institutionellen Investoren – bei Investitionen ökologische, soziale und Governance-Faktoren (ESG) zu berücksichtigen, stark zugenommen. ESG wird zum Gebot der Stunde in Private Markets, nicht erst seitdem Untersuchungen untermauern, dass die Einbeziehung von ESG-Kriterien eine positive Wirkung auf die Investitionsperformance hat. Und dennoch stehen die privaten Märkte erst am Anfang, was die materielle Einbeziehung von ESG-Faktoren in die Anlage- und Portfoliomanagement-Prozesse und die Entwicklung neuer Produkte, die auf die ESG-getriebene Nachfrage abzielen, betrifft2.

Trend 3: Impact- statt Profitmaximierung als Leitgedanke
In den letzten 5 Jahren – in Zeiten von Niedrigzinsen – verfolgen immer mehr Investoren sensibel, wohin ihr Geld fließt und stellen Nachhaltigkeit stärker in den Fokus ihrer Investitionsentscheidungen. Unter dem Begriff “Impact Investing” – sprich dem wirkungsorientierten Investieren – legen Investoren ihr Geld in ganz bestimmte Industrien, Assets und Projekte an, von denen sie sich eine positive Wirkung auf die Gesellschaft erhoffen und/oder mit denen Lösungen für sozio-ökologische Probleme entwickelt werden. So gibt es z.B. sogenannte Impact Investment Fonds, wo sich sektorenübergreifend private, wirkungsorientierte und staatliche Investoren zusammenschließen. Anspruch des Impact Investings ist es zudem, die Wirkung konkret messbar zu machen und an die Rendite und die Rückzahlung des Investments zu binden.

Trend 4: Das neue Konzept des inklusiven Wachstums
Viele internationale Wirtschaftsexperten, unter ihnen Prof. Dr. André Reichel, rechnen bis 2050 mit Wachstumsraten von unter einem Prozent. Das bedeutet, dass ein Umdenken stattfinden muss: Wer erfolgreich sein will, muss sich vom klassischen Wachstumsparadigma emanzipieren und auf ein inklusives Wachstum setzen, mit dem eine ökonomische und soziale Inklusion von Menschen in wirtschaftspolitische Maßnahmen gestärkt wird. Dies gilt auch für den Finanzmarkt und in ihm für private Märkte, die ebenso vor der Herausforderung  stehen, z.B. externalisierte Kosten in eine neue Wachstumsformel zu überführen. Auf der IPEM 2020, der größten Handelsausstellung für private Märkte in Europa, wundert es daher auch nicht, dass das diesjährige Motto “Shaping a new growth formula” war. Die privaten Märkte sind offensichtlich auf der Suche nach einer neuen Wachstumsformel im Sinne der Nachhaltigkeit.

Trend 5: Der Finanzsektor im digitalen Wandel
Die Digitalisierung geht auch am Finanzsystem nicht spurlos vorbei. Ganz im Gegenteil: Der Finanzsektor befindet sich mitten im digitalen Wandel. Und so denken viele Privatmarkt-Firmen darüber nach, wie sie ihre Investitionsprozesse digitalisieren können. Die größten GPs haben hierbei die Führung am Markt übernommen, insbesondere im Immobiliensektor, wo Investoren auf größere und genauere Datensätze zurückgreifen können. Außerdem ist die Anzahl der technologieorientierten Privatmarkt-Firmen in den vergangen Jahren stark gewachsen. Gleichzeitig sorgt die Digitalisierung dafür, dass es immer mehr crowd- und communitybasierte Möglichkeiten der Finanzierung gibt, sprich Private Equity durch Community. Darunter fallen z.B. sogenannte Crowdfunding-Plattformen, wo Projekte durch Kleinbeträge von Menschen gleichen Interesses finanziert werden. Die Crowd und jeder einzelne in ihr wird so zu einem “Investor”4.

Exkurs: Aufgeräumt mit Mythen rund um Sustainable Finance

Je mehr man sich mit “Sustainable Finance” beschäftigt, desto häufiger begegnen einem Behauptungen, die sich als Wahrheiten im Markt verstetigen. Oft handelt es sich bei diesen Aussagen um Mythen, die sich durch einfache Fakten widerlegen lassen. An dieser Stelle wollen wir mit den fünf gängigsten Mythen rund um “Sustainable Finance” aufräumen:

Mythos Wahrheit
1. Nachhaltige Investments/Assets underperformen im Vergleich zu konventionellen. 90 % der aktuellen Studien beweisen, dass Assets mit einem ausgeprägten ESG-Profil genauso gut, wenn nicht sogar besser, performen (gutes Rendite-Risiko Profil).
2. Nachhaltiges Investieren besteht nur darin, „sündige“ Anlagen auszusortieren. Investmentmanager beziehen zunehmend positive Aspekte der Nachhaltigkeit ein, indem sie ESG-Faktoren in den Investmentprozess integrieren.
3. Nachhaltiges Investieren ist eine vorübergehende Modeerscheinung. Nachhaltiges Investieren gibt es schon seit Jahrzehnten und es nimmt – nicht zuletzt aufgrund zunehmender Regulatorik – weiter an Bedeutung zu.
4. Das Interesse an nachhaltigen Investitionen beschränkt sich meist auf Millennials und Frauen. Es gibt ein weit verbreitetes Interesse an nachhaltigen Investment-Strategien, wobei institutionelle Investoren an der Spitze stehen.
5. Nachhaltiges Investieren funktioniert nur bei Aktien. Nachhaltige Strategien werden über alle Anlageklassen hinweg angeboten.

Eine visuell ansprechende Aufbereitung inkl. der detaillierten Fakten finden Sie unter Visual Capitalist5, die den Mythen-Check durchgeführt haben.

Regulierungen auf dem Vormarsch: EU-Aktionsplan & Co.

Wie in Trend 2 “Sustainable Finance und ESG als Gebot der Stunde” angedeutet, nimmt die Regulierungsdichte für den Finanzmarkt verstärkt zu, die auch Auswirkungen auf die bisher nur bedingt regulierten Private Markets haben wird. Sie haben zum Ziel, Orientierung und Klarheit sowie Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Sustainable Finance zu schaffen. Die folgenden gesetzlichen Entwicklungen sollten Privatmarktteilnehmer im Blick behalten:

  • EU-Aktionsplan “Finanzierung Nachhaltigen Wachstums”
    Der EU-Aktionsplan “Finanzierung Nachhaltigen Wachstums” beinhaltet zwei EU-Regulierungen, die spätestens 2021 in Kraft treten sollen:
    • EU-Transparenz-Verordnung  soll im März 2021 in Kraft treten und sieht vor, dass Finanzmarktakteure über ihren Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken in ihren Investitionsentscheidungen berichten müssen. Dies gilt auch für Finanzberater und ihre Anlage- oder Versicherungsberatung.
    • EU-Taxonomie-Verordnung stellt klare Kriterien zur Klassifizierung von Anlagen auf, um zu definieren, wann eine Anlage als grün bzw. nachhaltig gilt. Zudem verpflichtet sie Anbieter nachhaltiger Finanzprodukte dazu, zu berichten, wie sie die Taxonomie zur Bestimmung der Nachhaltigkeit der zugrunde liegenden Anlagen herangezogen haben, zu welchen EU-Umweltzielen die Investition beiträgt und für welchen Anteil der Anlagen die Taxonomie zulässig ist. Die Verordnung soll für die ersten beiden EU-Umweltziele (“Klimaschutz” und “Anpassung an den Klimawandel”) im Dezember 2020 in Kraft treten und die weiteren vier Umweltziele (“Kreislaufwirtschaft”, “Abfallvermeidung & Recycling”, “Verminderung von Umweltverschmutzung” sowie “nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressource”) jeweils im Dezember 2021. Mehr dazu finden Sie hier.
  • „Green Deal für Europa”
    Der “Green Deal für Europa” der EU-Kommission beinhaltet ein europäisches Klimagesetz und ein Plan für nachhaltige Investitionen. Mehr dazu finden Sie hier.
  • ESMA Strategie für nachhaltige Finanzen & klimabezogene Stresstests 
    Am 6. Februar 2020 hat die Europäische Wertpapieraufsichtsbehörde (ESMA) ihre Strategie für nachhaltige Finanzen veröffentlicht, in der Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt der Aktivitäten gestellt wird. Das Rahmenwerk der ESMA ist breit angelegt und umfasst u.a. Emissionszertifikate, ESG-Ratings von EU-Investmentfonds und sogenannte Klimariskio-Stresstests. Mehr dazu finden Sie hier.
  • Empfehlungen der Network for Greening the Financial System (NGFS)
    Das Network for Greening the Financial System hat 2019 sechs Empfehlungen veröffentlicht, in denen sie u.a. fordern, klimabezogene Risiken in die Aufsicht einzubeziehen und aufsichtliche Erwartungen zu formulieren. Mehr dazu finden Sie hier.

Einen gebündelten Überblick inkl. Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken erhalten Sie im kürzlich veröffentlichten ”Bafin-Merkblatt”.

Neue Strategien und Anforderungen für Private Markets

Am gesamten Finanzmarkt stellt die Betrachtung von Nachhaltigkeitsrisiken neue Anforderungen an die ordnungsgemäße Geschäftsorganisation, an das Risikomanagement und an die Kommunikation von Finanzakteuren: Sie müssen sich strategisch und ganzheitlich mit Nachhaltigkeit befassen und Nachhaltigkeitsrisiken in bekannte Risikoarten (z.B. Marktpreisrisiko, Liquiditätsrisiko und Kreditrisiko/Adressenausfallrisiko) sowie ESG-Risiken übersetzen. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass sie ihre bestehenden Geschäfts- und Risikostrategien überprüfen müssen und in eine konsistente ESG-Strategie überführen müssen. Es wundert daher nicht, dass auf der diesjährigen Handelsausstellung für private Märkte in Europa “IPEM” ESG von diversen führenden Finanzakteuren als neuer Imperativ für Private Markets ausgerufen wurde. 

Auf operativer Ebene verlangen die aktuellen Entwicklungen, dass Finanzakteure sich zunehmend mit Stresstests und Szenarioanalysen beschäftigen. Sie gelten als ein bewährtes Instrument um Unternehmens- und Investitionsrisiken zu bewerten. Vor allem in Anwendung auf den Klimawandel helfen sie dabei, die künftigen Entwicklungen des Klimas zu bewerten. Die französische Bankengruppe und Vermögensverwaltung BNP Paribas gehört zu den führenden Akteuren, die Klimaszenarien bereits in ihrem Risikomanagement integriert.6

Und auch die Anforderungen an die Kommunikation im Kontext von Nachhaltigkeit sind an den privaten Märkten gestiegen: Es gilt komplexe Sachverhalte für alle relevanten Stakeholder transparent und nachvollziehbar zu bewerten und zu kommunizieren. Die kommende EU-Transparenz-Verordnung und eine zunehmende ESG-Berichterstattung wird ihren Beitrag leisten, dass die Kommunikation zu Nachhaltigkeitsrisiken im Finanzmarkt vergleichbarer und effektiver wird.

Investitionsprozess mit der “ESG Management” Lösung digitalisieren

Eine der größte Herausforderung für ein professionelles ESG Management liegt in der Fülle, der Komplexität und Aggregation von ESG-Daten ebenso wie in der Gewährleistung von Datenqualität und – sicherheit. Im Zuge der digitalen Transformationen (siehe: Trend 5) spielen daher zunehmend Softwarelösungen eine zentrale Rolle, um dieser Datenherausforderung Herr zu werden. Im Rahmen der globalen ESG-Befragung 2019 von BNP PARIBAS7 nannten die befragten institutionellen Investoren und Asset Manager die folgenden Anwendungsbereiche für digitale Lösungen im Kontext der Professionalisierung von ESG Managementprozessen:

  • Aggregation/Analyse von ESG-Daten
  • ESG-Berichterstattung auf allen Ebenen (Unternehmen, Portfolio und Fonds)
  • Erhöhte Detailtiefe und Aussagekraft von ESG- spezifischen Daten für Research
  • Erstellung und Nachverfolgen eines ESG-Index
  • Erstellung von Unternehmensprofilen
  • Schaffung von neuen, auf Nachhaltigkeitsgrundsatz basierenden Produkten

Die “ESG Management” Lösung von WeSustain – eine Software für das professionelle ESG Management im gesamten Investment-Lifecycle von Privatmarktanlagen bzw. Alternativen Investments – hat sich diesen Anforderungen angenommen. Sie unterstützt vor allem Portfolio-, Asset- und Risk-Manager, die ESG-relevante Daten berichten und ESG-Risiken managen müssen. Zudem findet die Lösung Anwendung bei Investoren, die auf Basis von ESG-Kriterien Investitionsentscheidungen treffen wollen. Neben dem zentralen Steuern von relevanten Workflows, können Softwarenutzer ESG-Daten sicher erheben, auswerten und berichten. Mit dem Datenmanagement-Ansatz der “ESG Management” Lösung gelangen Anwender zu einer erhöhten Tiefe und Aussagekraft für das ESG Management. Als kollaborative IT-Infrastruktur entwickelt, können Softwarenutzer sich einfach und transparent vernetzen und über gängige Schnittstellen im Unternehmen bestehende ESG-Tools einbinden. 

Eine bewegte Dekade kündigt sich an

Dieser Trendbeitrag wirft einen Blick auf die Zukunft von Private Markets und zeigt, welche Trends die privaten Märkte in der neuen Dekade umtreiben werden. Klar ist geworden, Nachhaltigkeit hat Einzug in die Geschäftsmodelle und -strategien von privaten Marktakteuren gehalten und wird es durch den Marktdruck und kommende Regulierungen auch weiter tun. Es wird auf lange Sicht kein Weg mehr an Sustainable Finance herum führen.

ESG ist zum Gebot der Stunde bzw. zum Imperativ für Private Markets geworden, um eine neue Wachstumsformel an den privaten Märkten in Zeiten des Klimawandels und globaler Nachhaltigkeitsziele (kurz: SDGs) umzusetzen. Dabei gilt es nicht nur eine konsistente ESG-Strategie zu implementieren, sondern auch die eigene Geschäftsorganisation dahingehend zu transformieren. Dazu gehört u.a. das Thema “Vielfalt und Inklusion”, denn bisher sind nur 20% der Arbeitnehmer in Privatmarkt-Firmen Frauen. Außerdem gilt es das Potenzial der digitalen Technik auszuschöpfen und das Tempo ihrer Entwicklung weiter anzuziehen. Dazu müssen die privaten Märkte digitale Expertise aufbauen und zunehmend digitale Tools in den Investitionsprozess integrieren. Algorithmen und Machine Learning werden schließlich ihren ganz eigenen Beitrag leisten, um die Quantität und Qualität von relevanten Daten zu optimieren.

Man kann erahnen: Wir haben eine bewegte Dekade für Private Markets vor uns. 

Hinweis:
Erfahren Sie mehr zur ESG Management Lösung von WeSustain und erleben Sie in einer individuellen Demo die Funktionalitäten für Ihre ESG Compliance.

Mehr zur Demo-Version

1 Vgl Rat für nachhaltige Entwicklung (2020): “Sustainable Finance-Beirat will Klimalabel für den gesamten Finanzmarkt” LINK, abgerufen am 15.03.2020.
2 McKeansey & Company, “A new decade for private markets – McKinsey Global Private Markets Review 2020”, LINK, abgerufen am 13.03.2020.
3 McKeansey & Company, “A new decade for private markets – McKinsey Global Private Markets Review 2020”, LINK, abgerufen am 13.03.2020.
4 Vgl. Zukunftsinstittut: LINK, abgerufen am 11.03.2020.
5 Vgl. Visual Capitalist: LINK, abgerufen am 11.03.2020.
6 Vgl. LINK, abgerufen am 11.03.2020.
 7 Vgl. BNP PARIBAS: “Die globale ESG Befragung 2019 – Institutionelle Investoren und Asset Manager legen ihre Strategien zur ESG-Integration fest”, S. 29,  LINK, abgerufen am 18.10.2019.

13 Nov 2019

Im Interview mit Stefan Kempf, Mitglied der Geschäftsleitung der SGS-TÜV Saar GmbH, und Manfred Heil, Geschäftsführer bei WeSustain, sprechen wir über die wachsende Managementherausforderung “Compliance” und wie das Zusammenspiel von Software und Beratung bei Unternehmen punktet.

(…) Was sind Ihrer Erfahrung nach, Herr Kempf, die zentralen Herausforderungen und Chancen für Industrieunternehmen im Rahmen der Betreiberverantwortung? 

Eine der zentralen Herausforderungen im Zusammenhang eines rechtskonformen Betriebes ist sicherlich die möglichst lückenlose Erfassung, Abbildung und dauerhafte Erfüllung der Betreiberpflichten. Dafür bedarf es einer umfassenden Fachexpertise, einer geeigneten Struktur zur Darstellung der Anlagen und Prozesse sowie einer sinnvollen Zuordnung der Verantwortlichkeiten zur Umsetzung der festgelegten Maßnahmen. Dies bedarf ein hohes Maß an Selbstdisziplin bei allen beteiligten Personen. Eine konsequente Umsetzung der Betreiberverantwortung bietet jedoch entsprechende Vorteile, wie etwa die Tatsache, dass Geschäfts- und Haftungsrisiken für die verantwortlichen Personen minimiert oder Planungssicherheit durch rechtzeitige Budgetierung der Maßnahmen gewährleistet werden. Optimierte Strukturen ermöglichen schlanke Prozesse und effiziente Abläufe, was sich wiederum direkt auf die Kosten positiv auswirkt und einen Wettbewerbsvorteil ermöglicht.

 

Herr Heil, welche der von Herrn Kempf genannten Herausforderungen löst WeSustain mit der neuen “Enterprise Compliance Management” Software? 

Wie Herr Kempf schon erwähnt hat, ist die Komplexität und der Umfang der Betreiberverantwortung in den letzten Jahren förmlich explodiert. Es ist absehbar, dass sich diese Entwicklung fortsetzt, sodass ein Compliance Management, das die gestiegenen Anforderungen nicht bewältigt, zu einem eigenen Risikofaktor werden kann. Insofern ist eine Software-Unterstützung nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch unter Haftungs- und Risikogesichtspunkten unverzichtlich. Der größte Vorteil der “Enterprise Compliance Management” Software von WeSustain (kurz: ECM) liegt in der durchgängigen Integration von Content, Prozessen und Daten. (…).

(…)

06 Jun 2019

Ob IT, Datenschutz, Anlagensicherheit oder CSR, die Welt der Regularien für Unternehmen wird immer komplexer. Wie Compliance und CSR miteinander zusammenhängen und warum eine Software-Lösung ein doppeltes Sicherheitsnetz bietet.

von Marie-Lucie Linde

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Ob Normen, Gesetze oder Verordnungen, Unternehmen sind immer mehr Regularien ausgesetzt. Nach dem Vorsorgeprinzip sollen gesetzliche Vorgaben u.a. im Bereich Datenschutz (z. B. DSGVO), Qualität, Umwelt und Arbeitssicherheit (ISO-Normen) als auch Anlagensicherheit Unternehmen einen klaren Rahmen und damit Rechtssicherheit geben. Gleichzeitig bringt die Regularienkomplexität erhebliche Unsicherheiten und Zusatzaufwände für das betriebliche Compliance-Management mit sich. 

Auch nachhaltigkeitsrelevante Themen – das prominenteste Beispiel ist sicher die CSR-Berichtspflicht – avancieren zu zentralen Compliance-Themen und bekommen so in der Unternehmenspraxis in beiden Management-Bereichen eine erhöhte Relevanz. Die zentrale Frage ist: Wie kann man das betriebliche Compliance-Management in all seinen Facetten effizienter gestalten und professionell steuern.

Von der Krise zu mehr Kontrolle

Seit etwa 20 Jahren ist die Wirtschaft durch eine Krisenhaftigkeit geprägt, allen voran von der Finanzkrise im Jahr 2008, Vorfällen wie Fukushima sowie weitere wirtschaftliche korrupte Machenschaften. Die Politik hat darauf mit verstärkter Regulierung reagiert, u.a. mit der Offenlegungspflicht eines Corporate-Governance-Kodex sowie der Berichtspflicht zu ESG-Kriterien für die Finanzbranche. Damit hat sich das Thema Compliance – sprich die Einhaltung von Gesetzen und Regularien – als eine zentrale Managementaufgabe in der Unternehmenspraxis etabliert. Dabei spielt die Einhaltung des sogenannten “soft laws” in Form von Selbstverpflichtungen (z. B. Mitgliedschaft im UN Global Compact) mittlerweile eine fast so große Rolle wie die Einhaltung des “hard laws” in Form von gesetzlichen Vorgaben.

Gleichzeitig spielt der Megatrend der Digitalisierung dem Compliance-Management in die Karten: Digitalisierte Prozesse im Unternehmen ermöglichen es, Compliance- relevante Abfragen dezentraler und effizienter zu gestalten als auch die Datenerfassung und Dokumentation zu erleichtern. Zudem können Unternehmen durch digitale Lösungen die relevanten Inhalte (z. B. Rechtsquellen) in den Compliance-Prozess integrieren.

Das 1×1 des Compliance-Managements

Unter dem betrieblichen Compliance-Management versteht man das Einhalten eines Unternehmens von Gesetzen, Regeln und Normen1. Dabei agieren Unternehmen im Spannungsfeld von “hard law” und “soft law”. Ersteres ist für den Betrieb existenziell und daher vom Prinzip der Risikovermeidung getrieben. Denn bei Nichteinhaltung können hier z. B. hohe Strafzahlungen, Produktionseinstellung oder gar die Betriebsschließung drohen. Zweiteres basiert auf freiwilligen Selbstverpflichtungen wie Zertifizierungen oder Audits und ist oftmals Chancen getrieben. Denn durch die Einhaltung dieser Verpflichtungen erhalten Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil am Markt. Mittlerweile werden auch solche anfangs freiwilligen Standards zu einem quasi “hard law”, da eine Nichteinhaltung zu erheblichen Umsatzverlusten führen kann, wenn Auftraggeber Lieferanten aufgrund dessen “outlisten” oder ein Unternehmen dadurch an der Teilnahme von Ausschreibungen ausgeschlossen wird.

Da Compliance in der Management-Praxis so immer relevanter wird, richten viele Unternehmen eigene Abteilungen mit Experten und Expertinnen ein. Solche Abteilungen können je nach Komplexität des Unternehmens und Kerngeschäft kleiner oder größer ausfallen. In der Praxis lässt sich beobachten, dass das Thema häufig in der Rechtsabteilung oder im Risiko-Management angesiedelt wird, da für die notwendige Rechtstreue u.a. juristisches Know-How gefordert ist und das Prinzip der Risikovermeidung im Vordergrund steht.

Im Rahmen des Compliance-Management sprechen Experten oftmals über den sogenannten “Compliance-Lifecycle”, den Betriebe immer wieder durchlaufen:

  • reform = erfassen, entscheiden und Prozesse definieren/verändern
  • comply = gesetzl. Anforderungen und Prozesse einhalten
  • report = relevante Daten transparent machen

Es geht im Compliance-Management somit darum, einen zuverlässigen immer wiederkehrenden Prozess mit Datenerhebungen und Prüfpunkten zu etablieren, über den transparent berichtet werden kann.

Compliance-Experte Ulrich Heun gibt Unternehmen 11 Tipps mit auf den Weg2:

  1. Bedarfsgerecht definieren
  2. Auf Überflüssiges verzichten
  3. Auf die Praktikabilität achten
  4. Für Verständnis sorgen
  5. Compliance von oben vorleben
  6. Sinnvoll kontrollieren
  7. Compliance Regelwerk implementieren
  8. Hinweisgebersysteme und Ombudsmann einrichten
  9. Einbindung in das operative Geschäft
  10. Den zahnlosen Tiger vermeiden
  11. Agil bleiben

CSR und Compliance: Was sie vereint und trennt

Die Institutionalisierung und damit einhergehende Professionalisierung des CSR-Managements lassen beide Disziplinen – CSR und Compliance – immer näher zusammenrücken. Denn auch CSR hat eine zunehmende Regulatorik erfahren, die das Thema aus der “nice-to-have”-Ecke geholt und in die “licence-to-operate”-Ecke gestellt hat. Allen voran die CSR-Berichtspflicht ist ein Beispiel für ein nachhaltigkeitsrelevantes “hard law”. Die Umsetzung von ISO-Normen zu Umwelt, Qualität und Nachhaltigkeit oder aber die Bekennung zu den Prinzipien des UN Global Compacts oder den Sustainable Development Goals (SDGs) zeigt den Willen der Unternehmen, sich auch in Sachen CSR in die freiwillige Selbstverpflichtung zu begeben. Dabei verfolgen Betriebe mit ihrem systematischen Nachhaltigkeitsmanagement entweder die Maxime „Keep us out of trouble“ oder „Make our business better“, idealerweise jedoch beides gleichzeitig. „Vielen ist nun klar, dass das Abwarten bis zu gesetzlichen Regulierungen oder selbst beschränkenden Verbandsbeschlüssen von Schlüsselbranchen schnurstracks und ungebremst vor die Betonmauer führt3, ist Kommunikations- und Nachhaltigkeitsexperte Dr. Klaus Stallbaum überzeugt.

Experten beider Managementfelder betonen, dass CSR wie auch Compliance sich unter dem Dach der “Corporate Governance” komplementär zusammenführen lassen. Während Compliance ein Referenzsystem zeichnet, das sich mit der Rechtstreue und Integrität im Unternehmen beschäftigt und bei der Rechtsabteilung aufgehangen ist, bezeichnet CSR vorwiegend eine ethische Haltung, die im Unternehmen operationalisiert und als Einheit oftmals in der Kommunikationsabteilung oder aber als Stabsstelle bei der Unternehmensführung aufgehangen wird.

Reinhold Kopp, Minister a.D. und Partner bei Heussen Rechtsanwaltsgesellschaft hat auf dem Deutschen CSR-Forum 2014 den Teilnehmenden empfohlen, dass …

  • die Konvergenz mit konkreten Inhalten gefüllt werden muss
  • es eine persönlich vorgelebte Werteorientierung im Unternehmen braucht
  • die Ressourcenausstattung in den Unternehmen den Anforderungen im Bereich CSR und Compliance angepasst werden muss
  • sie als integrierte Managementsysteme interagieren und ganzheitlicher Bestandteil der gesamten Wertschöpfungskette verstanden werden müssen
  • Verantwortung regional und global auch Ÿüber die eigenen Grenzen hinaus getragen werden muss
  • eine Fehlerkultur zugelassen und gelebt werden soll.

Industrial Compliance: Wer produziert, wird reguliert

In Industrieunternehmen bzw. produzierenden Unternehmen mit einer umfangreichen Anlageninfrastruktur ist Compliance über die Jahre immer umfangreicher und relevanter geworden. Hier spricht man von der sogenannten “Industrial Compliance”, die u.a. spezifische Themenfelder wie Anlagen- und Arbeitssicherheit sowie Umwelt- und Gesundheitsschutz umfasst.

So müssen produzierende Unternehmen eine Reihe unterschiedlicher Gesetze und Normen in ihrem Anlagenbetrieb einhalten, damit weder Mensch noch Umwelt zu Schaden kommen. Auch hier liegen das Compliance- und CSR-Management eng beieinander. Risiken müssen antizipiert, erkannt, geprüft sowie behoben und schließlich kontinuierlich kontrolliert werden. Ohne das entsprechende Know-how und eine passende IT-Lösung, ist es beinahe eine Sache der Unmöglichkeit für Betriebe eine aktuelle Übersicht über die relevanten Rechtsquellen zu erhalten und einen zuverlässigen Prozess zu etablieren.

Die IT-Infrastruktur als doppeltes Sicherheitsnetz

Für viele produzierende Unternehmen ist eine IT-Infrastruktur unerlässlich. Nicht nur geht es darum, mithilfe eines Softwaresystems eine zuverlässige und transparente Dokumentation der Compliance sowie den Prozess gewährleisten zu können, es geht vor allem darum nach vorne gewandt Compliance-Maßnahmen zu planen und Handlungsbedarfe rechtzeitig zu antizipieren. Eine Software macht den Compliance-Prozess inkl. Datenerfassung in Unternehmen somit beherrschbarer und minimiert betriebliche Risiken.

Ein Software-Anbieter für Industrial Compliance in Deutschland ist WeSustain: Mit der “Enterprise Compliance Management Lösung” (kurz: ECM) unterstützt WeSustain – vor allem produzierende Unternehmen – bei der Professionalisierung ihres Compliance-Managements. Die ECM-Lösung integriert neben den klassischen Compliance relevanten Aspekten auch ökologische und soziale Aspekte. Die wesentlichen vier Mehrwerte der ECM-Lösung sind:

  1. Rechtsrelevanz: Die sich automatisch aktualisierenden Rechtskataster sorgen dafür, dass das Unternehmen stets weiß, ob es von Neuerungen in Gesetzen betroffen ist.
  2. Rechtssicherheit: Durch transparente Dokumentation und Datenerfassung entlang des Prozesses sowie automatisierte Hinweise für verantwortliche MitarbeiterInnen, können Unternehmen ihre Compliance proaktiv steuern und Prüffristen zuverlässig managen.
  3. Prozess-Effizienz: Als zentrale Plattform bildet die ECM-Lösung die Arbeitsschritte und Verantwortlichkeiten ab und macht so den Compliance-Prozess effizienter.
  4. Content-Integration: Die ECM-Lösung integriert alle relevanten Informationen und Rechtsquellen an den entsprechenden Arbeitsschritten entlang des gesamten Prozesses.

Durch Softwarelösungen können sich Unternehmen somit im wahrsten Sinne des Wortes ein doppeltes Sicherheitsnetz aufbauen: Rechtssicherheit durch softwaregestützte Prozesssicherheit.

Ein Ausblick: Das Compliance-Management der Zukunft

Das betriebliche Compliance-Management wird in Zukunft sicher noch weiter an Komplexität gewinnen. Es ist daher wichtig, dass Unternehmen zunehmend auf digitale Lösungen zurückgreifen, um Prozesse effizient zu gestalten. Sicherlich werden Fortschritte im Bereich Internet-of-Things und Künstlicher Intelligenz  ihren Beitrag dazu leisten, dass das Compliance-Management sich professionalisiert und streckenweise automatisiert. So forscht WeSustain in dem Projekt “EHS-BAI” (= engl. Environment, Health & Safety based on artificial intelligence) gemeinsam mit der Hochschule Osnabrück seit Februar 2018 an der Frage, ob Künstliche Intelligenz bei der Beurteilung von EHS-Regularien beim Betrieb von Anlagen den manuellen Aufwand und die Verarbeitungszeiten reduzieren kann.

Auch im Kontext von RegTech – einer Verschmelzung von “regulatory” und “technology” entwickeln Unternehmen derzeit im engen Zusammenhang mit der FinTech-Debatte neue Technologien, um z. B. in der IT-Bankeninfrastruktur ein effizientes Compliance-Management aus IT-Sicht zu unterstützen. Eine der zentralen Fragestellungen dabei ist: Wie wirkt sich die Digitalisierung (z. B. cloud-basierte Services, Blockchain oder Künstliche Intelligenz) künftig auf juristische und regulatorische Rahmenwerke aus?

So oder so wird das Compliance-Management aus der Unternehmenspraxis, wie es das CSR-Management mittlerweile auch ist, nicht mehr weg zu denken sein und ein zentraler Bestandteil der “licence to operate” werden.

Hinweis:
Erfahren Sie mehr zum Enterprise Compliance Tool von WeSustain und erleben Sie in einer Demo-Version die Funktionalitäten für mehr Rechtssicherheit in Ihrem Unternehmen.

Mehr zur Demo-Version

23 Nov 2018

Virtuelle Sprachassistenten sind schon lange keine Science-Fiction mehr, sondern fester Bestandteil unseres Alltags. Wie Künstliche Intelligenz nicht nur für eine erweiterte Realität sorgt, sondern auch zu einer erweiterten Unternehmensverantwortung führt. Ein Einblick in die Nachhaltigkeitspotenziale einer Zukunftstechnologie.

von Marie-Lucie Linde

“Alexa, wie wird heute das Wetter?”, fragt ein Mann beim Kaffee kochen aus der Küche heraus in den Raum. Er stellt diese Frage nicht seiner Frau, sondern einer kleinen und unscheinbaren schwarzen Box, die im Raum platziert ist. “Das Wetter in Hannover ist heute regnerisch und kalt, ich empfehle einen Regenschirm mitzunehmen”, ertönt eine freundliche Frauenstimme. Alexa ist ein virtueller Assistent, der verspricht, das Leben der Menschen noch effizienter zu machen.

Künstliche Intelligenz (kurz: KI; engl. artificial intelligence; AI) macht es möglich. Nicht nur wissen Assistenten wie Alexa unglaublich viel, sie lernen auch dazu. Für die Einen lässt sich durch KI das paradiesische Zukunftsbild realisieren, dass Menschen künftig keine stupiden und repetitiven Arbeiten mehr nachgehen müssen. Für die Anderen zeichnet sich mit KI eine nahezu apokalyptische Zukunft ab, in der sich die intelligenten Maschinen des Menschen entledigen. Sicher ist: KI leitet einen Paradigmenwechsel mit neuen Spielregeln für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ein. Dieser birgt sowohl Hoffnungen als auch Befürchtungen. Vor allem für eine nachhaltige Entwicklung lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen und zu fragen: Welche Nachhaltigkeitspotenziale schlummern in KI und wie kann man sie für ein effizienteres CSR-Management nutzen?

Eine Technologie auf ihrem “Hype Cycle”

Künstliche Intelligenz, zwei banal klingende Wörter, die eine Technologie beschreiben, die sich auf ihrem Hype Cycle befindet und auf dem besten Weg zu ihrem großen Durchbruch. Doch was ist Künstliche Intelligenz?

“Mit KI bezeichnet man Systeme, die ihre Umgebung erfassen sowie denken und lernen können, um dann auf dieser Grundlage zu handeln.”[1]

KI ist somit ein System, das auf seine Umgebung reagieren und entsprechende Maßnahmen ergreifen kann, was sie maßgeblich von der reinen Automatisierung von Routineaufgaben und klassischer Software abgrenzt. Dabei unterscheidet man in der Forschung rund um KI drei zentrale Einsatzmöglichkeiten:

  • unterstütze Intelligenz = KI verbessert schon heute, das was Menschen und Organisationen bereits tun
  • erweiterte Intelligenz = KI ermöglicht es Menschen in Zukunft, Dinge zu tun, die sie sonst nicht tun könnten
  • autonome Intelligenz = KI wird Maschinen schaffen, die eigenständig agieren

So gelesen, assoziiert man KI vor allem mit effizienteren Produktionsprozessen, der Entwicklung autonomer Autos und virtuellen Assistenten wie Alexa, die die Arbeitswelt und den Alltag der Menschen umkrempelt. Doch KI kann darüber hinaus, so die Studie des Weltwirtschaftsforums “Mit Künstlicher Intelligenz gegen den Klimawandel”, einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die Welt lebenswerter zu machen. Das heißt die Regenwälder schützen, saubere Energie produzieren und die Artenvielfalt der Erde erhalten. KI ist also nicht nur auf ihrem technischen Hype Cycle, sondern wird in Expertenkreisen sogar als der Hoffnungsträger für mehr nachhaltige Innovationen gehyped.

Eine Revolution in puncto Nachhaltigkeit

Ökonomisch betrachtet, liegt in der KI-Technologie ein unglaublicher Schatz. Prognosen zufolge soll sich der weltweite Umsatz mit KI im Jahr 2018 auf rund 7,3 Milliarden US-Dollar belaufen und sich bis 2020 verzehnfachen. Hendrik Fink, Partner und Leiter Sustainability Services bei PwC, ist überzeugt, dass neben den ökonomischen Potenzialen KI in Sachen Nachhaltigkeit einen noch größeren Mehrwert stiftet:

„Wenn wir Künstliche Intelligenz richtig einbinden, können wir damit eine Revolution in puncto Nachhaltigkeit erreichen. Künstliche Intelligenz wird der Motor der Vierten Industriellen Revolution sein.“

KI kann zum Beispiel Lösungen für den Klimawandel und seine Folgen, für den Erhalt der biologischen Vielfalt, den Artenschutz und für die Heilung schwerer Krankheiten hervorbringen. Und auch für die größte Befürchtung des Menschen – der Massenarbeitslosigkeit durch intelligente Maschinen – besteht für die Arbeitswelt der Zukunft eine große Hoffnung, dass es doch eher zu einer Arbeitsteilung zwischen Mensch und Maschine kommen wird. Immer unter der Prämisse, dass KI verantwortungsvoll entwickelt und eingesetzt wird. Um einen solchen verantwortungsvollen und ethischen Umgang aktiv zu gestalten, geben Experten Unternehmen, die KI entwickeln und mit ihr arbeiten, folgende Tipps mit auf den Weg:

  1. Richten Sie KI-Innovationen an ihren strategischen Zielen aus und bringen Sie diese in Einklang miteinander.
  2. Erwarten Sie keine Zauberei, denn es bedarf viel Aufwand zur Beschaffung von Daten, damit KI lernen kann.
  3. Seien Sie sich über Ihre Partner im Klaren, mit denen Sie die Transformation im Sinne der Nachhaltigkeit mit KI beschleunigen können.
  4. Fördern Sie das Vertrauen in KI und vermeiden Sie die oft gefürchtete Blackbox, indem Sie Transparenz über die hinterlegten Algorithmen schaffen.
  5. Schaffen Sie Vertrauenswürdigkeit in Ihr Geschäftsmodell, indem Sie die alle gesetzliche Vorschriften einhalten und nachweisen.
  6. Sorgen Sie dafür, dass Veränderungen in Ihrem Geschäftsmodell durch KI, sich auch in Ihren Unternehmensstrukturen (z.B. KI-Governance-Strukturen) widerspiegeln.

KI im Einsatz für mehr Nachhaltigkeit

Es gibt schon heute spezielle Anwendungsbereiche, wo KI-Lösungen für mehr Nachhaltigkeit eingesetzt werden. Hier einige Beispiele:

  • Smart-Farming für eine nachhaltige Landwirtschaft
  • globale und intelligente Klimamodellierung zur Vorhersage von Wetter-Szenarien
  • smarte Frühwarnsysteme und Finanzinstrumente für die Unwetter- und Katastrophenvorsorge
  • intelligente Stromnetze zur Steuerung des Energieverbrauchs
  • Verschmutzungskontrollen und Abfallentsorgungslösungen gegen die Umweltverschmutzung
  • kontrollierte Wassergewinnung für einen nachhaltigen Gewässerschutz
  • Luftfilterungs- und Frühwarnsysteme für die Luftreinhaltung

Wichtig ist, dass KI nur dann zum Einsatz kommen kann, wenn aussagekräftige Daten in ausreichender Qualität und Quantität zur Verfügung stehen. Dies war lange Zeit ein zentrales Problem für den Einsatz von KI im Nachhaltigkeitsbereich. Doch dies hat sich in den letzten Jahren durch die zunehmende nichtfinanzielle Berichterstattung von Unternehmen zum Beispiel zu Standards wie dem Carbon Disclosure Project (CDP) und der Global Reporting Initiative (GRI) verändert. Nicht zuletzt durch die CSR-Berichtspflicht (CSR-RUG) und die Digitalisierung von Produktionsprozessen wird sich die nachhaltigkeitsbezogene Datenlage weiter verbessern und immer mehr Datenquellen zum Beispiel zur Auslastung von Maschinen, zum Energieverbrauch und/oder zu emittierten Emissionen erschließen.

Für KI-Lösungen im Bereich Nachhaltigkeit gibt es bereits heute spannende Praxisbeispiele, die sowohl auf die ökologische als auch auf die soziale Dimension wirken:

  • RainforestConnection (RFCx) ist ein KI-Tool, das mit seiner besonderen Sensorik bei der Überwachung des Regenwalds durch Echtzeitdaten zum Einsatz kommt. Durch KI soll hier der illegalen Entwaldung des Regenwaldes Einhalt geboten werden.
  • DeepMind ist eine selbstlernende KI, die vor allem im Gesundheits- und Energieeffizienz-Bereich eingesetzt wird. In einem Forschungsprojekt wird sie derzeit eingesetzt, um Vitalfunktionen von Patienten zu tracken, um so das Krankenhauspersonal zu entlasten, aber gleichzeitig die Todesfälle zu reduzieren.
  • CIMON (Crew Interactive Mobile Companion) basiert auf der von IBM entwickelten KI “Watson” und unterstützt Astronauten im Weltall bei ihrer täglichen Arbeit. CIMON soll als Assistent den Stress der Astronauten reduzieren, damit diese sich auf die Forschung konzentrieren können.

Augmented Unternehmensverantwortung

Und wie kann KI nun konkret im CSR-Management unterstützen? Sustainability Intelligence Experten des DFGE – Institute for Energy, Ecology and Economy in Greifenberg bei München widmen sich genau dieser Fragestellung. Sie sehen durch KI-unterstützte Projekte vor allem die Chance, CSR-Aktivitäten im Unternehmen zu verbessern und/oder zu erweitern. “Wir beschäftigen uns schon lange mit faktenbasierter unternehmerischer Nachhaltigkeit. Da ist es naheliegend, hier auch neue Methoden auszuprobieren. Stellen Sie sich die Möglichkeiten vor, die entstehen, wenn Sie sehr viele unterschiedliche CSR-Daten in einem Big Data-Ansatz sammeln, mit Machine Learning / Künstlicher Intelligenz auswerten und so neue Erkenntnisse für Ihr CSR-Management gewinnen könnten”, betont Dr.-Ing. Thomas Fleissner, Gründer und CEO bei DFGE.

So kann KI zum Beispiel bei der Erfüllung von Nachhaltigkeitsstandards und -rankings, bei der Überprüfung von erhobenen nachhaltigkeitsbezogenen Daten sowie bei Wettbewerbs- und Markt-Benchmarks zum Einsatz kommen. Ein besonderes Potenzial für das CSR-Management liegt zudem im SDG-Matching und in der Scope-3-Berechnung der betrieblichen Klimabilanz. KI kann betriebliche Leistungen im Rahmen der Sustainable Development Goals (SDGs) anhand von Daten in Bezug zum definierten SDG-Commitment setzen und so Handlungsbedarfe transparent machen sowie die daten-komplexen Berechnungen des Scope-3-Fußabdrucks unterstützen. Die Sustainability Intelligence Experten des DFGE empfehlen Unternehmen vor der Einführung von KI-Projekten im Rahmen des CSR-Management jedoch eine ausführliche Analyse der vorhandenen Daten. Denn nur wenn die KI mit ausreichend qualitativen Daten gefüttert werden kann, lassen sich die Potenziale für ein effizienteres CSR-Management tatsächlich heben.

Fazit: Maschinen-Monster oder Freund und Helfer?

KI spaltet wie keine andere Technologie die Lager: Auf der einen Seite die Skeptiker, die das Maschinen-Imperium fürchten und auf der anderen Seite die Befürworter, die den Fortschritt von KI als die ultimative Befreiung des Menschen von körperlicher und repetitiver Arbeit sehen. So oder so, für die neue Ära der KI appellieren Experten an einen vorausschauenden, vernünftigen und verantwortungsvollen Umgang. Und so wird KI und ihr Einsatz zu einem neuen Handlungsfeld im Rahmen der Unternehmensverantwortung. Denn wenn Informationen als Daten künftig zur zentralen Corporate Value werden, obliegt Unternehmen eine große Verantwortung, diese im Sinne des Gemeinwohls und der Nachhaltigkeit einzusetzen.

Damit Menschen Vertrauen in die Potenziale der KI schöpfen können, muss mehr Transparenz geschaffen und Aufklärung betrieben werden. Nur so verlieren die Menschen die Angst vor den intelligenten Maschinen, die sich eines Tages des ineffizient gewordenen Menschen entledigen könnten. Denn egal wie intelligent KI in Zukunft werden mag, sie wird nie die Persönlichkeit und das Verantwortungsbewusstsein eines Menschen annehmen können.

[1] PwC, “Auswirkungen der Nutzung von künstlicher Intelligenz in Deutschland.”, 2018, S. 6.

Hinweis:
Erfahren Sie mehr über Anwendungsbereiche von Künstlicher Intelligenz im Kontext von Industrial-Compliance in unserem Beitrag “Künstliche Intelligenz für mehr Durchblick im Regularien-Dschungel”.

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